„Weinsemer Beere“ werden weiter sinnvoll genutzt

Egal wie das Wetter ist, seit 18 Jahren treffen sich am ersten Dienstag im Monat die Dienstagswanderer der Wanderfreunde Weinsheim zu ihrer „Dienstags­wanderung“. Gera­de in der kalten Jahreszeit kommt eine geistige Stärkung in Form eins edlen Brandes unterwegs immer sehr gut an.

Am letzten Dienstag aber war alles anders. Die Wanderung war nur kurz, und zwar ging es direkt in die Obstbrennerei von Thomas Weyl. Extra für die Wanderfreunde hatte er einen „Brenntag“ beim Zollamt angemeldet. Beim Eintreffen der Wandergruppe war der Brennvorgang schon im vollen Gange und ein köstlicher Duft durchflutete die Brennhalle.

Thomas Weyl erläuterte zuerst die Arbeitsgänge die das Brenngut bis zu diesem Zeit­punkt schon hinter sich hatte. Das gesunde, reife Obst wird nach der Ernte einge­maischt und gärt so dem Brenntag entgegen. Jeder der eine bestimmte Menge eigenes Obst, seien es Äpfel, Birnen, Pflaumen, Mirabellen, Sauerkirschen, Pfirsiche, aber auch Weinhefe usw. hat, kann es zum Verarbeiten abliefern.

In einem ganzen Satz von Formularen muss der Weg des Brenngutes bei jedem Arbeitsschritt dokumentiert werden. Der „Stoffbesitzer“ (Eigentürmer des Obstes) steht genau wie die Brennerei dem Zoll gegenüber in der Verantwortung. Regelmäßige, unangemeldete Kontrollen des Zollamts lassen keine Nachlässigkeiten zu.

Die Qualität und Reife des eingemaischten Obstes bestimmen neben dem Können des Brennmeisters die Qualität und die Quantität des neuen Brandes. Heute hatten alle Gelegenheit sich von der hohen Qualität des einheimischen Produkts zu überzeugen.

Während in der Brennblase langsam der Alkohol destilliere, hatte Eva Weyl einen ganzen Tisch mit Spezialitäten des Hauses zur Verkostung aufgebaut und erklärte die Vorzüge und Besonderheiten der vielen Schnäpse und Liköre. Die alten Weinsheimer registrierten besonders die vielen Birnenbrände. Weinsheim war ja früher bekannt für seinen ausge­zeich­neten Birnenwein, den sog. „Weinsemer Beerewein“. Diesen Beerewein gibt es heute nur noch zu besonderen Anlässen. Schön ist es aber, dass die Weinsheimer Birnen, die nach wie vor auf den Streuobstwiesen gedeihen, nicht verkommen und in solch edlen Getränken genossen werden können.